Es gab hier nicht immer eine FeWo an der Müritz - Lesen Sie dazu die Geschichte von Federow

Wir haben einen tollen Zeitungsartikel von H.-J. Hagemann zur Geschichte von Federow ausgegraben, die, wie wir finden, fundiert und spannend zusammengefasst wurde :D! Aber lesen Sie selbst ....

Federow Die Hörspielkirche in Federow
Federow Müritzurlaub Ihre FeWo in Federow an der Müritz

Es herrscht allhier bitterste Armut

Aus der Geschichte des Dorfes Federow

v. H.-J. Hagemann, veröffenlticht in der Zeitung "Waren-Land" im Dezember 1997

 

 

Der Name des Ortes leitet sich vom slawischen Vedru – heiter ab und bedeutet soviel wie Frohdorf.

Zur Zeit der wendischen Besiedlung hatte der Stamm der Müritzer hier seine Heimat.

Vehderowe, wie es damals geschrieben wurde, wird am 6. April 1289 von Bischof Hermann von Schwerin in einer Urkunde zusammen mit weiteren Dörfern erwähnt. Er verleiht in dieser Urkunde dem Domkapitel zu Schwerin den Zehnten im Lande Waren. Unter den Dörfern werden auch Godow und vermutlich letztmalig das später untergegangene Hinneberge genannt. Der Ort Federow wird bereits in einer älteren Urkunde vom 24. April 1230 angeführt. Da die Urkunde aber als Fälschung angesehen wird, gilt diese Erwähnung als nicht eindeutig gesichert.

1992 bestimmt Nicolaus von Werle die Grenze des Warenschen Wohlds, den er der Stadt Waren geschenkt hat. In der Urkunde darüber wird die Feldmark von Federow als Grenze genannt. Mit einer offensichtlich gefälschten Urkunde vom 22. September des Jahres 1312 möchte sich das Kloster Broda in den Besitz des ganzen Dorfes Federow setzen. Die Urkunde wird auch vom Landesherrn bestätigt, aber nur das Kirchenlehn gelangt in den Besitz des Klosters.

Der Landesherr, Fürst Johann von Werle, vertauscht am 14. März 1331 das Patronatsrecht über die Federower Kirche und deren Tochterkirche zu Kargow gegen das der Kirche zu Waren ein, welches bisher dem Kloster Broda zugestanden hat. Für das Jahr 1330 wird im Ort ein Knappe Klaus Federow genannt. Ob dieser Knappe einem im Dorf angesessenen Geschlecht angehört, ist nicht bekannt.

Erster auf Federow angesessener Lehnsmann ist der Marschall Klaus Tamme. Ihn belehnen die Landesherren, die Fürsten Klaus und Christoph von Werle 1406 mit Gut und Dorf Federow. In der folgenden Zeit werden die Besitzverhältnisse im Dorf unübersichtlich.

Die Herzöge Heinrich von Stagard und Heinrich von Mecklenburg verleihen im Jahr 1455 Hennecke von Holstein auf Wickenwerder (Ankershagen) das höchste Gericht und alles, was sie im Dorf haben. Dieser Hennecke von Holstein erwirbt 1463 von dem Domherrn Johann Stendal in Güstrow und dem Bürger Berend Wichmann in Rostock den Grundbesitz, den beide in Federow haben.

 

Federow Geschichte Die Geschichte von Federow

In den Jahren 1588 und 1589 verpfändet Dietrich von Holstein zuerst drei, später sechs Bauernhufe des Dorfes an den Herrn von Wangelin auf Vielist.

Ulrich Lehmann ist 1586 Pastor in Federow und wird auch noch 1592 als Pastor in Federow erwähnt. Er mußte sein Amt in Federow aufgeben, da die Junker ihm die Einkünfte vorenthielten. Er wird aber schon zwei Jahre später als Pastor in Neubrandenburg genannt.

1618 ist Clemens Satorius Pastor im Dorf. Er überlebt die Greul des Dreißigjährigen Krieges und schildert in einem Brief vom 18. Dezember 1634 an den Landesherrn, die Leiden dieses Krieges, die er und seine Gemeinde durchgemacht haben, in bewegten Worten.

Er ist auch noch 1675 im Amt und einer der zwei Pastoren, die in der Warener Probstei den Krieg überstanden haben. Die anderen 9 Pastoren waren zugrunde gegangen.

Zum Ende des 17. Jahrhunderts werden die von Oldenburg in Federow seßhaft, aber auch die Rittmeister Sibrandt von Secheln hat mehrere Bauernhufen im Dorf erworben, muß sie aber bald an Jürgen von Oldenburg verpfänden.

Der von Oldenburg setzt sich immer mehr in Federow durch. Er kauft am 16. März 1696 den Anteil des Joachim Friedrich von Holstein auf Ankershagen und am 30. August gleichen Jahres den Anteil des Oberstleutnants Christian Ulrich von Kamptz. Ein Jahr später erwirbt er auch den Anteil des Rittmeisters von Sechseln. Vom Landesherrn erhält er am 28. November 1704 den Lehnbrief über ganz Federow.

Um diese Zeit ist Mätthäus Birkenstedt Pastor in Federow. In seinem Beichtkinderverzeichnis von 1704 werden 4 Bauern im Dorf genannt. Ihre Namen sind Borg, Sonneberg, Loof und Wilde. Schäfer ist Otto Phillip, Jasper Gildemeister ist Kuhhirte und die Lützoische ist Schweinehirtin.

Über die Verhältnisse schreibt der Pastor, der Acker bringt kaum die Aussaat. Die meisten Hauswirte sind alte Leute. Es ist allhier die bitterste Armut, keiner hat sein Auskommen.

 

 

In Federow sind im großen Krieg das Pastorenwitwenhaus und auch noch andere Häuser abgebrannt. Über die Wegeverhältnisse berichtet er, der Weg von Kargow nach Federow ist sehr schlimm. Die Oldenburg bleiben bis 1767 im Besitz des Dorfes und Gutes, müssen es aber aufgeben und der Kammerherr von Oertzen erwirbt es. Er wird am 2. März 1769 damit belehnt.

Das Beichtkinderverzeichnis von 1751 schreibt Pastor Mattäus Christoffer Birkenstedt. Es ist der Sohn des vorherigen Pastors. Auch er beschreibt die Verhältnisse. Der Acker der Pfarre ist schlechter Sand, die Saat ist oft vom Winde verweht oder von den Heuschrecken gefressen.

Hauptmann Christian Diederich von Oldenburg wohnt im Dorf. Sein Schreiber ist Johann Toms, der Gärtner hört auf den Namen Carl Biwer, Diener des Hauptmanns ist Jacob Heidmann, Kutscher Vollrath Mahnck, Köche sind Jochen Oemke und Friedrich Borchert.

Es bestehen zu Federow eine Meierei, eine Holländerei, zwei Krüger und zwei Bauern. Verwalter der Meierei ist Johann Jacob. Der Krug im Dorf wird von dem Schmied Haus bewirtschaftet. Der zweite Krug liegt außerhalb des Dorfes an der Landstraße. Bauer sind Levin Voß und Christian Broockmann.

Im Dorf wohnen weiter drei Leinenweber, ein Teerschweler und ein Schäfer.

Der 31. Oktober 1806 sieht das Dorf und die Straßen der Umgebung durch preußische Soldaten belegt. Sie weichen unter der Führung des Generalleutnant Blücher vor den nachrückenden Franzosen zurück. Nachdem er sich bei Kratzeburg mit dem Korps des Herzogs von Sachsen Weimar unter General Winning vereinigt hatte, nahm er noch den bei Speck biwakierenden Truppenteil unter Oberst York auf und zog nun in einer Stärke von 10500 Mann durch Waren in Richtung Lübeck weiter. Die Nachhut Blüchers wurde immer wieder in Gefechte verwickelt. Im Jahr 1820 ist der Amtmann Enoch Samuel Lembke Nachfolger des von Oerzen.

Für die Jahre 1818 bis 1831 ist das Bestehen einer Glashütte in dem zum Gut gehörenden Schwarzenhof verbürgt. Besitzer ist Heinrich Lembke, Glashüttenmeister ist Hermann Strecker. Der Landrat Friedrich Nicolaus Rudolf von Maltzan ist 1862 Besitzer des Gutes. Etwa 18 Jahre später erwirbt es der Advokat Wilhelm Heinrich Krull, der es 1885 an das Großherzogliche Ministerium des Inneren in Schwerin veräußert.

Das Ministerium macht daraus eine Nebenstelle des Landarbeitshauses Güstrow, die bis 1918 besteht. In Schwarzenhof wurden erwerbslose Landarbeiterfamilien untergebracht. 1885 waren es 50 Landarme in 9 Familien. In Federow gab es im gleichen Jahr 151 Gefangene. Zur Bewachung waren sechs bis sieben Aufseher angestellt, die mit ihren Familien im Ort wohnten. Die Insassen des Landarbeiterhauses wurden wegen ihrer grauen Sackleinenwandkleidung als die „Griesen“ genannt. Bei Vergehen konnte eine Prügelstrafe bis zu 25 Schlägen durch den Aufseher unter Aufsicht des Gutsverwalters verabfolgt werden. Fluchtversuche verhinderte man durch eng genähte Hosen. Bei guter Führung konnten die Insassen nach zwei Jahren entlassen werden. Während des ersten Weltkrieges wurden die Griesen durch rumänische Kriegsgefangene ersetzt.

Im Jahr 1923 wird ein G. Asselborn als Besitzer des Gutes Federow ausgewiesen. Ihm folgt K. Hermann, der es bis zur Bodenreform besitzt. Hermann gehört zum Umgangskreis des Reichsmarschalls Hermann Göring.

Göring weilte häufig im Schloß Speck, dessen Eigentümer Hermann war und nahm an Jagden im ausgedehnten Specker Waldrevier teil.

Noch im Jahr 1945, das Großdeutsche Reich eines Adolf Hitler lag in seinen letzten Zügen, hielt sich der Reichsleiter der SS Heinrich Himmler mit seinem Stab im Schloß Federow auf. Es waren Angehörige der Heeresgruppe Weichsel von der Wehrmacht, Reste von Wehrmachts- und SS-Einheiten, die vor der Roten Armee zurückwichen.

Russische Panzerspitzen erreichten entlang der Eisenbahnlinie Neustrelitz–Waren das Territorium des Dorfes und standen gegen 18.00 Uhr des 30. April bereits auf dem Nesselberg über der Stadt Waren.

Federow, Schwarzenhof und Damerow bildeten eine Gemeinde, die 1957 insgesamt 274 Einwohner zählte. Von den 613 ha landwirtschaftlicher Nutzfläche bewirtschaftete die LPG 57%. Es gibt zu diesem Zeitpunkt noch 18 private Landwirtschaftsbetriebe, darunter zwei über 20 ha.

In den achtziger Jahren unseres Jahrhunderts, die Gemeinde war schon einige Jahre nach Kargow eingemeindet, hatte die LPG Tierproduktion ihre Rinderstallanlagen in Federow, der Acker wurde von der LPG Pflanzenproduktion Waren bewirtschaftet. Die das Dorf umgebenden Wälder gehörten zur damaligen Staatsjagd und heute zum Nationalpark.

Eine Kuriosität sei noch am Rande erwähnt. Jeder Dorfbewohner weiß, was Federow und Berlin gemeinsam haben. Auch in Federow gibt es einen Potsdamer Platz, der aber nicht ganz so belebt ist, wie der in Berlin.

 

 

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© Tino Vetter

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